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#kindundjugend

Smart Wear: Baby- und Kinderkleidung wird schlau

05.11.2019

Smart Socks von Owlet Baby Care

Owlets Smart Socks messen den Herzschlag und den Sauerstoffgehalt im Blut von Babys - © Owlet Baby Care

Intelligente Produkte durchdringen unseren Alltag immer mehr. Jetzt wird auch die Kleidung schlau. „Smart Wear“ kann automatisch wärmen und kühlen, kleine Ausflügler und Babys Schlaf und Gesundheit überwachen und sogar Medikamente verabreichen.

„Die Zukunft des Computers liegt in seinem Verschwinden“, prognostizierte der Informatiker Donald Normann schon 1998. Tatsächlich werden digitale Tools immer kleiner und unsichtbarer. Sie verbergen sich in Uhren, Brillen – und jetzt sogar in der Kleidung. „Smart Wear“ oder „Smart Clothes“ ist die Bezeichnungen für Kleidungsstücke, die mit Mikroelektronik ausgestattet sind. Im Unterschied zu anderen Hightech-Fasern, die Outfits atmungsaktiv, antibakteriell oder mitwachsend machen, verfügen schlaue Klamotten über integrierte Sensoren und können per App gesteuert werden.

Sicherheit durch intelligente Sensorik

Textilien mit intelligenter Sensorik bieten vielfältige Anwendungsmöglichkeiten – gerade im Bereich der Baby- und Kinderkleidung. Die Smart Socks von Owlet Baby Care etwa messen den Herzschlag und den Sauerstoffgehalt im Blut von Babys und schicken im Notfall eine Nachricht ans Handy der Eltern. Ähnlich funktioniert der Strampelanzug „Exmobaby“ des chinesischen Herstellers Exmovere , der ebenfalls wichtige Vitalfunktionen der überwacht. Die Forscher des Fraunhofer-Instituts für Zuverlässigkeit und Mikrointegration haben einen Babystrampler entwickelt, der plötzlichen Kindstod verhindern soll. Eine dehnbare Leiterplatte misst die Atembewegung der Kleinsten und warnt die Eltern im Falle eines Atemstillstands.

Babystrampler des Fraunhofer-Instituts für Zuverlässigkeit und Mikrointegration

Dieser Babystrampler soll plötzlichen Kindstod verhindern - © VERHAERT Masters in Innovation

Manche Smart Clothes können sogar schmerzhafte medizinische Prozeduren ersparen: So versorgt ein Pyjama, den Forscher der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) entwickelt haben, Frühgeborene mit einem Koffeinwirkstoff, um Atemstillstände zu verhindern – und vermeidet stressige und schmerzhafte Spritzen.
Wo treiben sich die lieben Kleinen gerade herum? Auch das wissen schlaue Kinderkleider. Erste Kinderjacken, die mit Antenne, Mobilfunktechnologie und einer ferngesteuerten Minikamera ausgestattet sind, gibt es bereits – vorerst allerdings nur als Prototypen.

Vielfältige Herausforderungen und großes Marktpotenzial

Die Beispiele zeigen: Smart Wear ist vielfach noch im Entwicklungsstadium. Bis sie zur Massenware wird, sind noch einige Herausforderungen zu meistern: etwa die Energieversorgung der Sensoren sowie die Sicherheit und Privacy der sensiblen Daten, die beim Monitoring erhoben werden. Außerdem sollen die smarte Kleidung nachhaltig sein: also umweltfreundlich, recycelbar – und robust genug, um wildes Toben und zahlreiche Waschgänge zu überstehen. Auch an der Kindersicherheit hapert es noch, denn viele schlaueKleidungsstücke kommen bislang noch nicht ohne Anhängsel aus. Batterie, Antennen und andere Zusatzgeräte werden mithilfe von Druckknöpfen, Magneten oder Klettverschlüssen angebracht und könnten zur Gefahr für Kids werden.

Trotzdem haben Smart Clothes für Kinder und Babys großes Potenzial, denn gerade wenn es um die Sicherheit und Gesundheit ihrer Sprösslinge geht, setzen Eltern gerne auf zeitgemäße Higtech-Lösungen. Und der Markt für die intelligenten Textilien verheißt großartige Wachstumschancen: 2017 lag das globale Marktvolumen bei rund 1,3 Milliarden Euro. Bis 2022 könnte es auf etwa fünf Milliarden Euro steigen, wobei auf den deutschen Markt dabei etwa 700 Millionen Euro entfallen dürften. Für 2030 prophezeit die im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellte Kurzexpertise „FashionTech – Smart Textiles“ alleine in Deutschland ein Marktpotenzial von 4,2 Milliarden Euro, weltweit soll der Markt auf 41,4 Milliarden Euro anwachsen.

Wir sind schon gespannt, wie sich Smart Clothes entwickelt und was wir auf der nächsten Kind + Jugend zu sehen bekommen!